Bitterer Abend in der KRAMSKI-ARENA – 1. CfR unterliegt Young Boys Reutlingen mit 1:5
1. CfR Pforzheim – Young Boys Reutlingen 1:5 (1:4)
Ein rabenschwarzer Abend für den 1. CfR Pforzheim: Im Nachholspiel gegen die Young Boys Reutlingen mussten die Blau-Weißen eine deutliche 1:5-Heimniederlage hinnehmen. Dabei hatte die Mannschaft von Trainer Pablo Gil Sarrión durchaus vielversprechend begonnen. Doch innerhalb von nur zehn Minuten geriet der 1. CfR durch drei Gegentreffer auf die Verliererstraße. Auch eine deutliche Leistungssteigerung nach der Pause konnte die Niederlage nicht mehr verhindern.
Dabei begann die Partie aus Pforzheimer Sicht durchaus verheißungsvoll. Die Gastgeber übernahmen zunächst die Initiative, hatten mehr Ballbesitz und versuchten, das Spiel zu kontrollieren. Bereits in der dritten Minute prüfte Enrique Katsianas-Sanchez den Reutlinger Schlussmann Goranov mit einem Schuss aus rund 20 Metern. Auch in der Folge zeigte sich der 1. CfR zunächst engagiert und suchte den Weg nach vorne.
Doch nach zwölf Minuten nahm die Begegnung eine für die Hausherren völlig unerwartete Wendung. Thomas Michael Diescher nutzte eine Unachtsamkeit in der Pforzheimer Defensive und traf mit einem präzisen Schuss aus 19 Metern ins linke untere Eck zur Gästeführung. Ein Treffer, der bei den Blau-Weißen offensichtlich Wirkung hinterließ.
Zehn Minuten zum Vergessen
Was anschließend folgte, war aus Pforzheimer Sicht kaum zu erklären. Die zuvor noch recht souverän wirkende Mannschaft verlor zunehmend die Ordnung und ließ sich von den entschlossen auftretenden Gästen verunsichern.
Nur vier Minuten nach dem Führungstreffer zeigte der Schiedsrichter auf den Elfmeterpunkt. Adil Iggoute ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen und erhöhte auf 0:2 (16.). Der CfR versuchte zwar, unmittelbar zu antworten, doch Cemal Durmus scheiterte mit seinem Abschluss an Gästetorhüter Goranov.
Statt des Anschlusstreffers folgte der nächste Rückschlag. In der 19. Minute nutzte Jonas Meiser eine weitere Unsicherheit in der Pforzheimer Hintermannschaft und stellte auf 0:3. Als die Gäste nur drei Minuten später erneut einen Strafstoß zugesprochen bekamen, war die Partie praktisch schon entschieden. Wieder trat Iggoute an und verwandelte sicher zum 0:4 (22.).
Vier Gegentore innerhalb von nur zehn Minuten – eine bittere Bilanz für eine Mannschaft, die sich vor heimischem Publikum viel vorgenommen hatte.
Die Young Boys spielten nun mit großem Selbstvertrauen, standen defensiv kompakt und schalteten bei Ballgewinnen schnell um. Der CfR hingegen tat sich schwer, wieder Struktur in sein Spiel zu bringen. Immer wieder blieben die Angriffsbemühungen an der gut organisierten Reutlinger Defensive hängen.
Dennoch gaben sich die Gastgeber nicht auf. In der 34. Minute hatte Katsianas-Sanchez eine gute Möglichkeit, doch sein Abschluss wurde im letzten Moment abgewehrt. Kurz vor dem Pausenpfiff gelang schließlich der erste Treffer für die Blau-Weißen: Pedro Almeida Morais verkürzte in der Nachspielzeit der ersten Hälfte auf 1:4 (45.+2) und sorgte damit zumindest für einen kleinen Hoffnungsschimmer.
Deutlich verbesserter CfR nach dem Seitenwechsel
Trainer Pablo Gil Sarrión reagierte in der Halbzeitpause und brachte mit Luka Bilac und Yasin Raouafi zwei frische Kräfte. Die Umstellungen zeigten Wirkung. Der 1. CfR präsentierte sich nach Wiederanpfiff wesentlich entschlossener, gewann mehr Zweikämpfe und übernahm zunehmend die Kontrolle über das Spiel.
Trotz des inzwischen einsetzenden Regens, der den Rasen zunehmend rutschig machte und beiden Mannschaften das Kombinationsspiel erschwerte, erarbeiteten sich die Pforzheimer mehrere gute Möglichkeiten.
In der 53. Minute zog Marvin Gnaase ab, verfehlte mit seinem Schuss jedoch das Tor. Wenig später versuchte es Luka Bilac aus rund 30 Metern, doch sein Abschluss landete in den Armen von Goranov (61.).
Die Gastgeber ließen sich vom deutlichen Rückstand nicht entmutigen. Mit zunehmender Spieldauer gewann der CfR mehr Spielanteile, setzte die Gäste unter Druck und zeigte nun jene Einsatzbereitschaft, die man sich bereits in der ersten Halbzeit gewünscht hätte.
Nach gut einer Stunde brachte Gil Sarrión mit Emre Yalcin und Marko Pilic weitere Offensivkräfte. Besonders Yalcin sorgte für frischen Schwung. In der 71. Minute kam er nach einer schönen Flanke zum Abschluss, doch sein Schuss wurde gerade noch zur Ecke abgewehrt.
Es war eine der besten Möglichkeiten der zweiten Halbzeit. Ein weiterer Treffer hätte dem Spiel vielleicht noch einmal eine andere Dynamik verleihen können. Doch an diesem Abend fehlte dem 1. CfR im entscheidenden Moment die letzte Konsequenz vor dem gegnerischen Tor.
Viel Einsatz, aber keine Belohnung
Auch in der Schlussphase stemmten sich die Pforzheimer gegen die drohende Niederlage. Die Mannschaft kämpfte um jeden Ball, suchte immer wieder den Weg nach vorne und ließ zumindest kämpferisch keinen Zweifel daran, dass sie das Ergebnis noch verbessern wollte.
Doch die Young Boys verteidigten ihren komfortablen Vorsprung geschickt. Mit zunehmender Spieldauer entwickelte sich eine offene Partie mit Aktionen auf beiden Seiten, ohne dass der 1. CfR daraus noch einmal Kapital schlagen konnte.
Stattdessen setzten die Gäste in der Nachspielzeit den Schlusspunkt. Nach einem Eckball traf Ibrahim Njie in der 93. Minute zum 1:5-Endstand und besiegelte damit einen Abend, den die Pforzheimer möglichst schnell hinter sich lassen möchten.
Trainer Gil Sarrión findet deutliche Worte
Nach dem Schlusspfiff zeigte sich CfR-Trainer Pablo Gil Sarrión entsprechend enttäuscht. Vor allem die schwache Phase zu Beginn der Partie ärgerte den Coach.
„Wir haben in 12 Minuten das Spiel verschenkt“, brachte er die entscheidende Phase der Begegnung auf den Punkt.
Dabei sah der Trainer durchaus auch positive Ansätze im zweiten Durchgang, als seine Mannschaft wesentlich besser ins Spiel fand und sich mehrere hochkarätige Möglichkeiten erarbeitete.
„In der zweiten Halbzeit haben wir drei sehr gute Möglichkeiten, die wir nicht reinmachen.“
Dass die Leistungssteigerung nach der Pause nicht ausreichte, um die Partie noch einmal spannend zu gestalten, war für Gil Sarrión allerdings kein Grund, das Ergebnis schönzureden. Sein abschließendes Urteil fiel entsprechend klar aus:
„Wir haben es heute nicht verdient, das Spiel zu gewinnen.“
Jetzt gilt es, die richtigen Lehren zu ziehen
Am Ende steht eine deutliche Heimniederlage, deren Ursache vor allem in einer völlig missglückten Phase der ersten Halbzeit zu suchen ist. Die Young Boys Reutlingen nutzten die Unsicherheiten der Pforzheimer konsequent aus und zeigten sich insbesondere in den ersten 45 Minuten äußerst effizient.
Der 1. CfR bewies nach dem Seitenwechsel zwar Moral, steigerte sich deutlich und erspielte sich gute Möglichkeiten. Doch gegen einen Gegner, der bereits früh mit vier Treffern in Führung lag, reichte das nicht mehr aus.
Für die Mannschaft von Pablo Gil Sarrión gilt es nun, dieses Spiel gründlich aufzuarbeiten, die Fehler klar anzusprechen und vor allem wieder jene defensive Stabilität und mannschaftliche Geschlossenheit zu finden, die sie in anderen Begegnungen bereits ausgezeichnet haben.
Denn so bitter dieser Abend auch war: Die nächste Gelegenheit, eine Reaktion zu zeigen, kommt schon bald. Entscheidend wird sein, welche Lehren die Blau-Weißen aus dieser Niederlage ziehen.